Badeanzug Bahama {La Maison Victor}

Alle sind schon voll im Herbst-Modus, auf allen Blogs nur Fleecejacken, und ich komm jetzt mit nem Badeanzug an, 😄...Ich hätte euch meinen neuen Badeanzug sehr gerne schon vor Ende des Sommers gezeigt, aber wie das so ist, mit Last-Minute-Prä-Urlaub-Nähaktionen: er wurde natürlich nur so kurz vor knapp vor der Abreise Ende August fertig, dass an Fotos nicht mal zu denken war. Aber so ist es eigentlich besser, denn jetzt kann ich euch einen umfassenden Erfahrungsbericht geben - abgesehen davon, eigentlich trägt man doch das ganze Jahr über nen Badeanzug und irgendwo ist immer Sommer, oder?

Erstmal die Facts vorneweg: ich bin super zufrieden mit dem Badeanzug, er ist genau so geworden, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Bisher hatte ich nur einen alten Sportbadeanzug zum Bahnenschwimmen und ins Wasser springen, der aber nicht sehr schick ist. Und seit ich im Sommer im Schwimmbad und an Freundinnen wieder mehr Badeanzüge gesehen habe, hat mich die Lust gepackt. Spätestens seit meinen Sportbikini und den Herren-Badehosen war mir klar, dass auch ein Badeanzug machbar sein muss. Passend dazu gab es in der La Maison Victor 4/2019 das Schnittmuster Bahama Badeanzug. Damit war ich sofort Feuer und Flamme für einen Badeanzug! Ich hab noch ein bisschen nach anderen Schnittmustern recherchiert, bin aber dann bei dem Bahama geblieben, denn mit La Maison Victor hatte ich schon viele gute Erfahrungen gemacht, gerade auch bei komplizierten Schnitten (Shorts, Jacke). Und der überlappende Ausschnitt und der geraffte Stoff an der Seite haben mir sehr gut gefallen.



Ich hab darauf vertraut, dass mir auch hier wieder (wie immer) Größe 36 passen wird, was auch der Fall war, wie ihr sehen könnt. Mehr zur Passform erzähle ich weiter unten im Text.

Ich hatte ganz bestimmte Vorstellungen für meinen Traumstoff, er sollte schöne tropische Blumen haben, die auf der großen Fläche des Badeanzugs so richtig schön zur Geltung kommen. Online gibt es jetzt keine Massen an Badeanzug- und Lycrastoffen, die diesen Vorgaben entsprechen, deswegen half nur eins: Spoonflower! Ich hab mich schon ein paar mal auf die Seite verirrt, war aber immer völlig überfordert von dem großen Angebot.
Eigentlich ist es ja total genial, dass man sich tausend verschiedene Muster auf eine beliebige Art von Stoff drucken lassen kann, aber in der Realität saß ich immer vor der riesigen Auswahl, konnte mich nicht entscheiden und hab frustriert gar nix bestellt.

Für den Badeanzug hatte ich aber immerhin schon eine grobe Vorstellung und hab dann dieses schöne Design von Crystal Walen gefunden.
Ich hab einen Meter des Musters auf Sportlycra bestellt (auch wenn in der Anleitung ein etwas höherer Verbrauch angegeben war, aber bei 28 Euro/m wollte ich ein bisschen knausrig sein) und hab mir sogar Hoffnungen gemacht, aus den Resten noch einen weiteren Bikini nähen zu können (dazu später mehr...).

Der eine Meter hat locker gereicht, das hab ich mir schon gedacht, als ich den Stoffplan in der Zeitschrift gesehen habe. Da sind die ja immer sehr vorsichtig unterwegs. Nervös war ich dann aber beim Zuschnitt doch, wie immer bei teuren, schönen Stoffen. Aber mit denen macht das Nähen auch am meisten Spaß.

Abgesehen von Stoff braucht man ja noch einiges mehr, zum Nähen eines Badeanzugs. Ich hab bei Sewy Laminat für Einlagecups bestellt (die wollte ich selber machen, hab keine guten fertigen gefunden), sowie weißes Badefutter. Beim Sportbikini hab ich schon gemerkt, dass ich lieber mit 6 bzw 9mm Framilastic, als mit dem 8mm transparenten Badegummi von Sewy, arbeite, denn das von Sewy ist weniger dehnbar und etwas steifer als das Framilastic. Und Framilastic kann man schnell noch am Samstag mittag um halb 4 beim Stoffladen kaufen, wenn es wegen ungeplanter Trennarbeiten ausgeht. Außerdem braucht man noch 15 mm breites Badegummi, das habe ich ebenfalls bei Sewy gefunden. Ich mag das wirklich sehr gerne, wenn man so spezielle Sachen braucht, und die dann alle bei einem Onlineshop findet.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich das Nähen deutlich schwieriger fand, als beim Bikini. Das lag wahrscheinlich auch an der Anleitung. Ich hab sie mir vorher echt oft durchgelesen, hab aber einige Schritte nicht nur durchs Grafiken anschauen verstanden. Beim späteren Nähen wars dann in Ordnung, wenn man die Teile vor sich hatte, war klar, was gemeint war. Aber, dass ich mir vorher nicht sicher sein konnte, ob ich alle Schritte verstehen werde, hat mich etwas verunsichert. Gleich im ersten Absatz ist auch ein Fehler, da steht einmal rechts auf rechts, obwohl es links auf links heißen muss. ("E und A links auf links aufeinanderlegen"). Die erste Schulternaht wurde also direkt mal getrennt. Ansonsten war die Anleitung aber korrekt.

Allerdings haben die Längenangaben für das Gummiband für Ausschnitt, Träger und Beinausschnitte bei mir überhaupt nicht gepasst, alle Bänder waren viel zu kurz. Das hat mich aber auch nicht gewundert, denn das kommt so stark auf das verwendete Gummiband und den Stoff an, dass ich das nur kurz einmal überprüft habe und mich dann an das gehalten habe, was ich im Pattydoo Video für die Bikinihose gelernt habe: An der hinteren Rundung von der Hose dehnen, am Rest überhaupt nicht.

Die Regel hab ich versucht auf die Träger und den Ausschnitt zu übertragen, hat aber nicht ganz geklappt, bei den Armausschnitten hab ich das Gummi nochmal abgetrennt, weil ich zu stark gezogen habe und die Träger dann zwar schön anlagen, aber der Stoff zu sehr gerafft war und die Träger auch noch in die Schultern eingeschnitten haben. Bei den Armausschnitten muss man also kaum dehnen. Gar nicht dehnen geht aber auch nicht, denn sonst klappt sich das Gummiband nach außen und liegt nicht mehr schön an der Haut an.

Ich hab in den unteren Greifer der Overlock Bauschgarn gemacht und immer darauf geachtet, dass das die Seite ist, die später zur Haut liegt, das ist dann schön weich. Eigentlich wollte ich auch mit weißem Bauschgarn im Zickzack absteppen, aber das hat das Bauschgarn so komisch an der Oberseite zerfusselt, obwohl ich die gleiche Marke und die gleiche Nadel wie beim Sportbikini verwendet habe. Scheint wohl am Stoff zu liegen. Also hab ich stattdessen normales Polyestergarn genommen.

Eine weitere Herausforderung für den Badeanzug im Vergleich zum Bikini ist die Tatsache, dass es ein Einteiler ist, den man nur schwer zwischendurch mal anprobieren kann, um zu testen, ob alles so passt, wie es soll. Ich hatte ein bisschen Panik, dass der Badeanzug zu eng wird (mein Lycra war deutlich fester und etwas weniger dehnbar, als der bisher verwendete Badeanzugstoff, der einiges durch die starke Dehnbarkeit vergibt). Ich hab also immer mal wieder alles zusammengesteckt und mich wie ein Fakir in dieses stecknadelgespickte Ungetüm gezwängt. Dass dann alles ganz gut gepasst hat, hat mich etwas beruhigt.

Auch schwieriger bei einem Einteiler: die Körperlänge spielt eine entscheidende Rolle. Bisher war es eigentlich immer so, dass ich Träger bei Tops kürzen musste, weil sie mir eher zu lang als zu kurz waren und der Ausschnitt zu tief saß. Hier kommt es gerade so hin, dabei ist meine Körpergröße (1.65m) relativ gleichmäßig in Beine und Oberkörper verteilt und ich bin etwas kleiner als die LMV Vorgabe. Da hat es mir auf jeden Fall geholfen, dass ich den Badeanzug ganz am Anfang einmal zusammengesteckt und anprobiert habe. Die Träger nachträglich zu kürzen oder zu verlängern ist fast unmöglich, da direkt im zweiten Schritt das Gummiband an den Ausschnitt genäht wird.

Die Träger sind mir jetzt definitiv nicht zu kurz, aber ich kann mir vorstellen, dass größere Personen, die auch Größe 36 nähen, den Rumpf oder die Träger verlängern müssen, damit die Träger nicht unangenehm in die Schultern einschneiden. Kommt aber auf jeden Fall auch auf die Dehnbarkeit des Stoffes an, und in welche Richtung man die „direction of greatest stretch“ wählt. Das ist in der Anleitung nämlich nicht angegeben, nur der Fadenlauf.

Für die Cups hab ich einen ausrangierten Triangelbikini (den ich schon seit mindestens 5 Jahren genau für diesen Zweck aufbewahrt habe - ich wusste, irgendwann kommt der Zeitpunkt an dem ich anfange Bademode zu nähen - zerschnitten und die Cups rausgeholt.

Was ich da zu Tage befördert habe, war ein Stück Laminat mit einer Naht unten, die ich auch aufgeschnitten habe (Bild links), und damit ein wunderbares Schnittmuster Teil für den Cup hatte. Die Laminatcups nach diesem „Schnittmuster“ hab ich dann nach Anleitung kurz vor Ende durch den Armausschnitt ins Vorderteil geschoben und an 3 Ecken festgenäht. Es geht auch ganz gut ohne Cups, der Lycra ist relativ dick, aber mit sieht es nochmal besser aus.

Was den Tragekomfort angeht, ich trage sehr gerne Badeanzug (einzig das in das nasse Teil reinzusteigen hab ich schon als Kind gehasst 😉) und dementsprechend mag ich auch diesen sehr gerne. Zum Schnorcheln und vom Boot springen ist er super geeignet, alles bleibt an Ort und Stelle. Und wenn man nach einiger Zeit im Meer auskühlt, dann wärmt der Badeanzug doch nochmal etwas mehr als ein Bikini.

Ich freu mich auch schon auf den Winter, wenn ich mit diesem Badeanzug sicher auch sehr gerne im Hallenbad schwimmen werde. Er ist zwar Dank der Falten und des Ausschnitts minimal weniger wasserschnittig als mein alter Sportbadeanzug, aber dafür viiiiel schöner.

Oben im Text hab ichs ja schon angedeutet, dass ich mir Hoffnungen auf einen weiteren Bikini gemacht habe, und ich bin nicht enttäuscht worden. Die seltsam geformten Schnittmusterteile haben beim Zuschnitt mehr als genug Stoff übrig gelassen. Anfangs wollte ich das gleiche Schnittmuster wie für den letzten Bikini nochmal verwenden..aber ich verrate jetzt mal noch nichts, dazu gibt es ganz bald mehr hier auf dem Blog!

Übrigens, nur mal so for the record: mich kostet es echt richtig viel Überwindung, Bademodebilder von mir selbst zu posten. Aber für euch mach ich das, denn ich möchte euch ja inspirieren und will in Zukunft ganz viele selbst genähte Bahamas (oder andere Badeanzüge) sehen! Und wenn der Schatz so schöne Bilder an diesem wundervollen (zu dem Zeitpunkt noch) einsamen Strand gemacht hat, kann man die ja nicht auf der Festplatte verkommen lassen, oder?

Hier übrigens meine Lieblings-Bahamas, die ich bisher gefunden habe: L'atelier de Nine, Anne Nagels, Malou Jane. 

Wie steht ihr zum Badeanzug? Tragt ihr ihn gerne oder ist der Bikini doch immer die bevorzugte Wahl? Hättet ihr auch Lust mal einen zu nähen? Mir hat es auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht, auch wenn es nicht unbedingt das einfachste Projekt bisher war, und ich kann das Schnittmuster uneingeschränkt empfehlen! 

Bis bald, 
eure Nina



Kommentare:

  1. Wow der ist superschön und die Bilder sind klasse.
    Ich bin Team Bikini, zumindest für mich, an anderen find ich Badeanzüge toll!
    LG Melanie

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  2. HAMMERmäßig! Anders kann man das nicht sagen. Du hast die PERFEKTE Figur für diesen Badeanzug. Jetzt hast du die Latte für mich allerdings echt hoch gelegt, haha.

    Ich muss an dieser Stelle auch noch mal deine Posts allgemein loben. Ich lese alle von vorn bis hinten, selbst wenn ich das konkrete Stück nicht nachnähen möchte, weil sie einfach so gut geschrieben sind. (Und da setze ich als Sprachnerd hohe Maßstäbe, ähem.)

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    1. Hach, danke😘! Ich wünschte ich hätte mal vor 15 Jahren im Deutschunterricht gewusst, dass ich mal so gerne schreiben würde und Leute das auch noch lesen😂man muss wohl einfach nur was finden für das man eine Leidenschaft hat, dann klappt das😊

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  3. Superschön dein Badeanzug und er steht dir so gut! Alles passt perfekt!
    Auch die Bilder sind wunderschön wie aus einem Modejournal!
    Liebe Grüße, Marita

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  4. Also bei den Bildern brauchst du dir wirklich keine Sorgen zu machen! einfach wunderschön!!! Man sieht, dass du deinen Badeanzug liebst und er passt wirklich wie angegossen. Wow! Von den Bildern hätte ich auch eher getippt, dass du größer bist. ;)
    Vielen Dank für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht zum Schnitt und die Tipps für den Einkauf der Gummis etc!
    LG Rike

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  5. der Badeanzug und die bilder sind einfach nur traumhaft!

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  6. Dein Badeanzug ist klasse geworden. Für mich das schönste Modell nach diesem Schnitt, was ich bisher gesehen habe. Ich finde das Framilonband auch recht angenehm beim Badebekleidungssnähen. Leider komme ich momentan gar nicht recht zum Nähen, aber der Badeanzug steht auch auf meiner to sew Liste.
    Viele Grüße
    Julia

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  7. Hey, hat sich absolut gelohnt: der teure stoff, die überwindung, die arbeit und das posten der fotos! Klasse geworden, richtig schick!!!
    Alle daumen hoch!!!
    Antje von lelonuk

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  8. Toll toll toll! Dein Badeanzug sieht klasse aus und steht Dir richtig richtig gut! Der Stoff passt perfekt! Mir ging und geht es bei Spoonflower ähnlich wie Dir. Mich überfordert das Angebot - zwar habe ich viel gesehen aber am Ende auch nichts gekauft.
    Jedenfalls hat sich die Idee dazu bei Dir mehr als gelohnt.
    Die Bilder sind auch so schön.
    Schöne Grüße, Anja

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  9. Bor, klasse Beitrag, Bilder und Badeanzug!!! BBB Also ich habe hier auch schon Badelycra, Badegummi und Bauschgarn (BBB) liegen... Wollte eigetlich einen Zweiteiler nähen, aber jetzt bin ich ins Schwanken geraten... Die LMV habe ich zufällig auch... Bis dahin bin ich erstmal von deiner Version Begeistert, Beeindruckt und Bezaubert... BBB... LG Sarah

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    1. Haha du bist ja cool! Danke für diesen sehr kreativen Kommentar 👌😄😘

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    2. Und du kannst ja beides nähen. Bei mir hat der Verschnitt vom Badeanzug noch gut für einen Bikini gereicht ➡️siehe nächste Woche 😏

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  10. Tolle Bilder, toller Badeanzug, tolle Frau mit tollem Lachen! ;-)

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  11. Von einer jahrelangen, heimlichen Mitleserin muss jetzt doch mal eines bemerkt werden: Es ist so schade, dass es einer so attraktiven Frau mit wunderschöner, in meinen Augen perfekter Figur schwer fällt, sich in Badekleidung zu zeigen. Ich finde die Bilder großartig.
    Vielen Dank für die vielen kurzweiligen und Kreativität wie Mut anregenden Blogs und liebe Grüße
    Myriam

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  12. huhu,
    ein super-schnitt und wie gemacht für dich.
    steht dir super und auch der stoff ist traumhaft.
    den würd ich auch nehmen.
    grüßles iris

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