Softshelljacke Susan

Ich hab zwar schon einen Parka, einen Anorak und eine Lederjacke in den letzten...ääähm...18 Monaten genäht, aber noch ne Jacke geht schon noch, oder? Ich weiß nicht, was es ist, warum ich so heiß aufs Jacke nähen bin, aber ich versuch mal den Reiz zu erklären: Slow Sewing erstmal. Also langsames, Schritt für Schritt Befolgen einer Anleitung über mehrere Tage hinweg.
Finde ich irgendwie total entspannend. Und gleichzeitig auch spannend, denn obs was wird, weiß man wirklich erst am Schluss, wenn die letzte Naht beendet ist (Absteppen am Kragen kann schon noch einiges versauen...). Dann natürlich, dass kaum jemand denken würde, dass eine Jacke selbst genäht ist. Schon gar keine Lederjacke, oder Softshelljacke. Das hat so etwas Befriedigendes, wenn man das fertige Stück in Händen hält und es kaum von einer gekauften Jacke aus dem Sportladen oder besser noch Designershop zu unterscheiden ist. Und, dass man sich so richtig kreativ austoben kann. Wo man welche Absteppung hinsetzt, hat man ja auch schon bei der Lederjacke gesehen, kann viel ausmachen oder wo welche Reissverschlüsse hinkommen und wie das Innenleben versäubert wird. Das sind so ein paar Dinge, die mich immer wieder aufs Jacke nähen zurück kommen lassen.


Als letztes Jahr die Jacke Susan von Pattydoo rauskam, war ich schnell begeistert. Sah genauso aus, wie ich mir eine Softshelljacke vorstellen würde. Und es gibt ja viele Pros bei Pattydooschnitten: sie sind günstig (hallo, 2,99€ für eine Jacke!?), trotzdem qualitativ super hochwertig (ich sag nur ausführliches Video, in dem jeder Schritt genauestens vorgemacht wird) und das Beste: diese riesige Community in der jeder Schnitt, hundert, wenn nicht gar tausendfach genäht wird und man so auf ein unglaubliches Schwarmwissen zugreifen kann.




Deswegen (ok, und weil ich mit den anderen Jacken ja noch gut beschäftigt war und dann ja der Sommer da war) hab ich erstmal abgewartet bis ich ein paar Exemplare gesehe habe, die mich dann noch vollends überzeugt haben. Diese hier von Mimi näht hat mir besonders gut gefallen! Ich hab dann noch ein bisschen im Pattydooforum auf Facebook gestöbert und das Projekt über den Sommer ruhen lassen, obwohl ich Softshell und Reissverschlüsse (von hier) schon im letzten November auf dem Stoffmarkt gekauft habe.


Sobald der erste kühle Morgen da war, war klar – jetzt ist der Zeitpunkt für die Softshelljacke gekommen! Ich hab mich also nochmal im Pattydooforum informiert und war erstmal abgeschreckt. So viele erzählten, dass die Jacke ihnen zu groß geworden ist, obwohl sie die anhand ihrer Maße ermittelte Größe genäht hatten. Dass ihnen viel zu viel Stoff im Rückenbereich über war und dass sie noch drei dicke Pullover drunter ziehen könnten. Ich hab also hin und her überlegt, welchen anderen Schnitt ich noch nehmen könnte (hab mich an die Burda Softshelljacke von meiner Mama erinnert, die sie euch vor einer Weile hier vorgestellt hat), bin aber immer wieder zurück auf die Susan gekommen. Da ich den Schnitt schon letztes Jahr gekauft und geplottet hatte, wollte ich zumindest mal versuchen meine Größe zu ermitteln. Ich hab also eine kleine Tabelle erstellt, die mein Dilemma veranschaulicht. Man sieht meine Körpermaße ergeben laut Maßtabelle eine Größe 36-38, während eine gekaufte gut sitzende Softshelljacke eher auf Größe 34 hin deutet.

 Meine Maße   Pattydoo Maßtabelle   Meine Softshelljacke   Pattydoo Fertigmaßtabelle 
 Brust   88 cm  38 (88 cm)  48 cm  34 (47,2 cm)
 Taille   68 cm  36 (69 cm)  44 cm  34 (45 cm)
 Hüfte   97 cm  38 (97 cm)  49 cm  32 (50 cm)
 Länge   60 cm  34 (70 cm)

Das Pattydooforum to the rescue ergab: Näh lieber die Größe, die die Fertigmaßtabelle ergibt. Da hab ich geschluckt. Soll ich es wirklich wagen und Größe 34 nähen? Hab ich glaub ich noch nie, 36 ist schon ab und an mal drin, aber 34?


Wie ihr seht, ich habs gewagt und ja, ich hab Größe 34 genäht. Jetzt die Preisfrage: bin ich zufrieden? Definitiv ja. Sie ist super bequem geworden, mein eher dickerer Softshell ist ziemlich dehnbar, somit war die Gefahr, dass sie wirklich zu klein wird, sowieso gering. ABER: erst als ich die Fotos durchgeschaut habe, ist mir aufgefallen, dass sie, wenn mans genau nimmt eigentlich einen Ticken zu klein ist, vor allem im Schulter/Brustbereich. Es entstehen, vor allem wenn der Reissverschluss zu ist Querfalten am Rücken und vorne von Schulter zu Schulter. Die sind mir aber tatsächlich bei allen Anproben gar nicht aufgefallen, weil die Jacke einfach super gemütlich ist und mich in keinster Weise einengt – getragen hab ich sie nun auch schon ein paar Tage, war ja kühl genug morgens und ich hab sogar schon eine kleine Fahrradtour mit ihr gemacht. Alles easy.


Ein bisschen ärgert es mich jetzt im Nachhinein aber, denn als ich fertig war, war ich so happy und jetzt seh ich die Falten doch immer, wenn ich in den Spiegel gucke, allerdings nur, wenn ich wirklich still stehe. Wenn ich mich bewege fällt es nicht wirklich auf. Aber fürs nächste Mal merk ich mir: lieber oben rum ne Größe 36 nähen (übrigens 6 ganze Zentimeter Unterschied bei den Fertigmaßen zur Größe 34 im Brustmaß...) und dann in der Taille zur Größe 34 gradieren.
Zu viel Stoff im Rückenbereich ist, finde ich, aber nicht (das war ja der größte Kritikpunkt bei den meisten), das hab ich auch mal mit meiner gekauften Softshelljacke verglichen - da ist deutlich mehr Stoff und das ist mir nie aufgefallen. Was auch mal wieder beweist wie kritisch man bei selbst genähten Sachen ist, wo man sich bei Gekauftem nicht mal Gedanken drüber machen würde.


Ich hab die Länge um 5 Zentimeter gekürzt, denn bei den meisten Beispielfotos, die ich gefunden habe kam mir die Länge zu lang vor, zur Referenz: ich bin 1,65m. So find ich sie auch perfekt, vor allem hinten trifft sie die genau richtige Stelle vom Hintern, vorne hätte vielleicht noch ein Zentimeterchen länger gedurft.


Was ich sonst noch geändert habe: die Taschen! Im Original hat die Susan versteckte Nahttaschen in den Wiener Nähten, aber da ich ja so coole knallige Reissverschlüsse hatte, wollte ich auch, dass man die sieht! Ich hab dieses wunderbare Video von Schnabelina gefunden – danke! Lifesaver! – das man wunderbar auch auf diese Jacke anwenden kann. Einziger Unterschied: meine Taschen sind auf der anderen Seite der Naht, was zu einer etwas anderen Verarbeitung führt. Man muss vor allem aufpassen, dass man die Taschen nicht in die falsche Richtung zeigen lässt (nämlich Richtung Seitennaht). Das passiert recht schnell, weil man nur so die Taschenbeutel komplett schließen kann. Ich hab das Problem umgangen, indem ich einfach die Stellen, an die man mit der Nähmaschine nicht dran kommt von Hand zugenäht habe (bzw. noch zunähen werde, war bisher zu faul und die Löcher sind zu klein als dass was durchfällt). Ich hab die Taschen mit kuscheligem Sweat gefüttert, den ich noch von diesen Miro Pullis übrig hatte – wie ich es liebe, wenn ich passende Reste finde!


Was kann ich noch sagen? Bei der Verarbeitung bleiben ja keine Fragen übrig, das Video ist wirklich perfekt. Falls jemand auch Lust auf Jacke nähen hat, würde ich sagen: Fang direkt mit dieser hier an, das kann wirklich jeder, der schon ein bisschen was genäht hat. Einziger Nachteil am Video: man muss immer wieder hin und her spulen und kann nicht so gut „querlesen“. Ich hab mir das ganze Video auf der Zugfahrt zur Arbeit schonmal angeguckt, damit ich wenigstens grob weiß, wo die Reise hingeht (mit der Jacke, nicht mit dem Zug, haha).


Und ich halte mich selten an die Reihenfolge der Schritte in Anleitungen. Als allererstes werden die Reissverschlusstaschen gemacht, denn da braucht man die größte Konzentration. Dann wird der Rumpf zusammengesetzt, denn wenn jetzt was nicht passt, kann man noch Änderungen machen (oder wenn es gar nicht passt wütend in die Ecke schmeißen und hat nicht auch schon die Kapuze und den Kragen fertig). Außerdem bin ich immer zu neugierig um bis zur Mitte zu warten um den Rumpf zu nähen. Das macht es aber bei einem Video etwas schwierig, man muss gut aufpassen, dass man keine Stellen aus Versehen überspringt.


Aber es sind so viele gute Tipps im Video gezeigt! Ich war ziemlich skeptisch, ob das mit den Kam Snaps so gut klappt, oder ob die den Stoff ausreißen, Softshell ist ja gestrickt, aber tatsächlich halten die super. Wenn man allerdings Ösen für eine eventuelle Kordel verwenden will, dann würde ich definitiv empfehlen Decovil oder was ähnliches von Links dagegen zu bügeln. Ich hab das vergessen, und hab am Probestück ziemlich schnell gemerkt, dass Ösen ausreißen würden. Also gabs dann leider doch keine Ösen und keine Kordel. Wäre aber nicht schlecht gewesen, wenn der Wind drunter fährt, hält die Kapuze bestimmt nicht ewig auf dem Kopf.


Oje, ich sehs schon, ich hab so viel kleine Verbesserungsideen, dass ich über kurz oder lang bestimmt nochmal eine Softshelljacke nähen würde. Aber bis dahin bin ich erstmal mega happy mit meiner schön sportlich bunten (seit ich die genäht habe, sehe ich überall nur noch sportliche Jacken, mit leuchtenden Reissverschlüssen, haha) super gut passenden und kuschelig warmen Jacke!

Ich hoffe mein Bericht hat die eine oder andere ermutigt sich auch an Softshell zu wagen (es gibt da ja übrigens auch noch die Herren bzw. Kinderjacke von Pattydoo...), denn es hat richtig viel Spaß gemacht und ist wirklich nicht so schwer, wies vielleicht scheint!

Bis bald,
eure Nina

Verlinkt bei Frau freut sich, SewLaLa, Woman of Fire, Du für dich



Kommentare:

  1. Hey Nina!
    Was für eine schöne Jacke. Mit Pink stehe ich zwar auf Kriegsfuß, aber der Softshell hat eine tolle Farbe, den hätte ich auch gerne. Bisher habe ich noch nie mit dem Material genäht, deine Erfahrungen machen aber definitiv neugierig.
    Danke auch für die ausführlichen Informationen zur Anleitung und Verarbeitung! Tolle Quelle :)

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  2. Liebe Nina,
    ich habe den Schnitt und komplettes Material auch seit Erscheinen hier liegen. Daher danke für Deine Tipps und Hinweise. Seit es auch die Herrenjacke gibt, bin ich am Überlegen, ob ich nicht diese nehme, zumindest aber die Varianten wie Kragen mit Reißverschlussmöglichkeit, verstellbare Kapuze und eben nicht tailliert. Wie eng sind bei Dir die Ärmel?
    Liebe Grüße
    Ines

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    1. Hallo Ines,
      Dadurch dass mein softshell relativ dehnbar ist, sind die Ärmel ok, aber nicht super weit. Ich finde sie genau richtig, aber falls du dicke Pullis drunter ziehen willst oder wenig dehnbaren softshell verwendet, könnte es knapp werden. Aber schau dir doch mal dieses Tutorial hier an: Drehmethode zur Vergrößerung von Ärmeln. vielleicht reicht das schon?

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  3. die Jacke ist toll geworden, danke für deine ausführliche Rezension zum Schnitt :)

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  4. Nein du hast mich nicht entmutigt. Die nähe ich mir auch, allerdings die lange Variante, denn ich biete 180cm Körperhöhe! Der Softshell liegt schon bereit!

    Gruß Marion

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  5. Hallo, Nina, tolle Jacke und toll erklärt! Ich will mich auch im Herbst an eine Susan wagen, werde sie aber zum Kurzmantel verlängern und keine Kapuze nähen, die kann ich nämlich nicht leiden... ;-)
    Mir gefallen die Nähte, die Du mit Paspelband versäubert hast, sehr gut! Das möchte ich auch machen. Jetzt habe ich eine Frage: wie hast Du die am Kragen angebracht? Einfach zwei gerade Nähte auf dem Paspelband? Auf den Fotos ist leider nicht zu erkennen, wie die Naht an der Außenseite der Jacke aussieht.
    Ich werde wohl auch keinen gestrickten Softshell nehmen, aber da muss ich nochmal schauen; der Stoff ist noch nicht gekauft.

    Danke für Deine Tipps!

    Lieben Gruss von einer Neu-Followerin ;-) aus Frankfurt,
    Antje

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    1. Schau mal auf dem Foto, wo ich die Kapuze auf habe, wo man die Jacke von hinten sieht. Da sieht man die untere Naht am Schrägband außen an der Jacke. Die Naht ist eigentlich nicht in der Anleitung vorgesehen, aber bei mir stand das Schrägband im Nacken etwas ab, deswegen hab ich es noch fest genäht. Die obere Naht wie im Video, die untere auf der Innenseite knappkantig auf dem Schrägband.
      Viele Grüße, Nina

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    2. Hab mir grade das Foto nochmal angeschaut, man sieht es wirklich nicht so gut, der kleine Schatten direkt unter dem Mittelteil der Kapuze etwa 1 cm unter der Verbindungsnaht. Brauchst dir auf jeden Fall keine Gedanken machen, die Naht sieht man so gut wie nicht, weil die Kapuze auch vorne am Ausschnitt drüber hängt ;)
      Viele Grüße, Nina

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    3. Dankeschön für die Info! Ich wollte hauptsächlich wissen, ob Du eine Zwillingsnadel genommen hast oder nicht. Ich hatte es mir schon gedacht, und wenn ich eine schönes Paspel habe und mit farblich passendem Garn nähe, fällt es nicht auf. Oder aber ich nehme gerade auffälliges Garn, DAMIT man es sieht..... Kommt ja auch auf den Stoff an. Ich werde sehen. Viele Grüße! Antje

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  6. Liebe Nina,
    WOW, tolle Jacke, die steht bei mir auch noch auf der Herbstnähliste!!! Sehr schöne Details mit dem Pink, gefällt mir richtig, richtig gut!! Ganz viel Freude damit und ganz liebe Grüße aus Heidelberg.
    Annette

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  7. Toll geworden! Ich habe schon etliche Susanns bewundert, aber Deine ist definitv eine der schönsten. Besonders gut gefällt mir ja der Kontrast mit den pinkfarbenen Reißverschlüssen. Und die Paßform ist doch super, weder zu eng noch zu weit, ganz bestimmt nicht. Für mich könnte sie noch einen Ticken länger sein, aber das ist jetzt wirklich Jammern auf hohem Niveau...
    Viel Spaß beim Tragen!
    LG Barbara

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  8. Super! Die Jacke, wie der ausführliche Bericht!
    Vielen lieben Dank!

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  9. Die Jacke ist sehr schön geworden. Die Farb-Kombination gefällt mir sehr gut! Ich habe den Schnitt vor zwei Wochen für mich und die Kinder heruntergeladen und werde die Jacken auch bald angehen.

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  10. Hallo Nina,
    deine Jacke ist super geworden. Vielen,vielen Dank für die ausführlichen Beschreibungen. Der Schnitt und Stoff liegt im Nähzimmer bereit. LG Carina

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Hallo ihr Lieben,
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